--- Lesenswerte Beiträge aus dem Gemeindebrief ---

Leid, Krankheit und Tod – was sagt die Bibel und wie steht Gott dazu?

Kein Tag vergeht, an dem wir nicht mit einem dieser Themen „Leid, Krankheit und Tod“ konfrontiert werden. Wenn wir Nachrichten schauen, hören wir täglich vom Lebensende bekannter Persönlichkeiten oder von Kriegen, Terror und Anschlägen in unserer Welt. Wenn wir aufmerksam mit Familienangehörigen, Freunden, Nachbarn, Kollegen oder Gemeindegliedern sprechen, hören wir von Menschen, die direkt oder indirekt damit konfrontiert sind. Ja und dann trifft es uns natürlich auch persönlich: der Tod von Freunden oder Verwandten, die eigene körperliche oder psychische Krankheit, das Leid über den verlorenen Arbeitsplatz des Ehepartners, die Ehekrise der eigenen Kinder, den Autounfall der Gemeindeglieder. Diese Themen sind darum mehr oder wenig allgegenwärtig. Was sagt und denkt Gott dazu? Wo ist er in all dieser Not? Wie kann oder will er uns helfen damit umzugehen? Dazu wollen wir einen Blick in die Bibel wagen und Gott verstehen lernen:

1. Leid, Krankheit und Tod – hat in Gottes vollkommener Gegenwart keinen Platz!

Da ist die Bibel unmissverständlich klar. Von vorne bis hinten zeigt sie dies auf:

a) Schon auf den ersten Seiten lesen wir von der Schöpfungsgeschichte und dass alles, was Gott getan und geschaffen hat, das Qualitäts- und Gütesiegel „sehr gut“ erhält (1. Mose, 1.2). Da ist kein Wort von und darum auch kein Platz für Schmerzen, Nöte, Leid, Krankheit oder Tod. Im Gegenteil: Nicht umsonst sprechen wir vom „Paradies“ im Garten Eden und meinen damit, dass im ursprünglichen Leben mit Gott ein vollkommener Einklang zwischen ihm, der Natur, den Tieren und uns Menschen herrschte und darum auch vollkommenes Glück, Zufriedenheit, Freude, Sicherheit, Frieden, Reichtum, Schönheit, Wohlstand, Gesundheit, u.v.m.

b) Auch auf den letzten Seiten, wo vom Ende aller Zeiten die Rede ist, wo eine neue Welt beschrieben ist, in der wieder ein vollkommenes Leben von Gott und Menschen möglich ist, wird klar vom Ende allen Leidens, Schmerz, Krankheit, Trauer und Tod berichtet (Offenbarung des Johannes, 21). Und mit Nachdruck wird diese Verheißung unterstrichen: „Daraufhin sagte der, der auf dem Thron saß: »Seht, ich mache alles neu.« Und er befahl mir: »Schreibe die Worte auf, die du eben gehört hast! Denn sie sind wahr und zuverlässig.«“

c) Und auch dazwischen – zwischen dem Anfang und dem Ende der Bibel – lesen wir, dass, wo immer Gottes heilige und vollkommene Gegenwart in das Leben der Menschen hereinbricht, alles Vergängliche und Notvolle weichen muss, alles Leid, Krankheit und Tod aufhört und früher oder später ein Ende findet.

Das war schon in der Geschichte Israels im Alten Testament der Fall (Befreiung aus Ägypten, Heilungen in der Wüste, Versorgung im verheißenen Land) und erst recht im Leben und Wirken Jesu im Neuen Testament. Wem immer Jesus begegnete, der erlebte Freiheit von aller Not: Jesus weckte die Toten auf (den Jüngling von Nain, die Tochter des Jairus, Lazarus), er heilte die Kranken, die zu ihm kamen oder zu ihm gebracht wurden und er beendete Leid durch Wunder (Sturmstillungen, Brotvermehrungen), machtvolle Worte (Befreiung von Dämonen) und Zeichen der Liebe, Annahme und Vergebung (Einsamkeit, Ausgrenzung und Schuld). All das war und ist ein ganz klarer Hinweis auf das, was das vollkommene Leben mit Gott zu bieten hat, was jeder einmal erwarten darf, der sich ihm ganz anvertraut und hingibt und was auch schon heute im hier und jetzt in unser Leben hereinbrechen will.

2. Leid, Krankheit und Tod – sind Teil einer „gefallenen“ Welt und darum auch unseres Lebens.

Erst nach dem Bruch in der Beziehung zwischen Gott und Mensch, dem sogenannten „Sündenfall“, lesen wir von Leid, Krankheit und Tod. Durch den Aufstand gegen Gott und die Distanz zu ihm brechen plötzlich Dinge wie „Feindschaft, Mühsal, Schmerzen und sogar Tod“ in die irdische Lebensrealität hinein (1. Mose, 3). Und seitdem sind sie fester Bestandteil unserer Welt und auch unseres ganz persönlichen Lebens; eben nicht nur eine Erfahrung der Menschheit allgemein, sondern auch all derer, die Gott suchen, die nach ihm fragen, die sich ihm anvertrauen und mit ihm leben. Leid, Krankheit und Tod sind demnach ganz klar eine Folge der Sünde (Römer 5,12), was aber nicht automatisch bedeutet, dass der Mensch, den eines davon trifft, gesündigt hat und derjenige, den nichts davon trifft, nicht gesündigt hat. Nein, so einfach macht Gott und sein Wort es uns nicht. Weder in der Beurteilung und Deutung von Not (Warum? Wieso? Weshalb?), noch in der Bewertung und Lösung (Ist sie nun Strafe oder Erziehung oder Segen?).

Denn:

a) Gott nimmt diese schmerzhaften Erfahrungen nicht einfach hinweg aus unserer Welt und auch nicht aus unserem Leben. Im Gegenteil. Er kommt da mitten hinein, er stellt sich selbst hinein. In Jesus Christus, unserem Retter und Herrn, hat er sich selbst all dem ausgeliefert, hat Leiden erfahren, unsere Krankheiten auf sich genommen und selbst den Tod erlitten. Und das tut er noch heute. Er stellt sich an unsere Seite, wo immer wir etwas davon erfahren. Er verspricht seine Nähe und seine Hilfe, so verschieden sie auch aussehen mag. Vom Trost über Stärkung bis zur Befreiung und Erlösung. Der eine erlebt Gott so, der andere anders.

b) Und Gott kann das Schwere und Notvolle sogar in Segen verwandeln. So spricht die Bibel an verschiedenen Stellen von ganz unterschiedlichen „positiven“ Auswirkungen, die Leid und Krankheit und sogar Tod haben können. Nur mal einige Beispiele wozu sie „dienen“ können:

  • Gott und Jesus zu verherrlichen und seine Macht zu erfahren (Johannes 11,4)
  • uns selbst und Gott besser kennen zu lernen (Hiob 42,5-6)
  • Geduld zu lernen und Stärke zu gewinnen (Jakobus 1,2-4)
  • die Hilfe Gottes zu erleben und abhängiger vom ihm zu werden (2. Korinther 12,7-10)
  • tiefe Erfahrungen im Glauben zu machen und fester zu werden (1. Petrus 1,6-7)
  • Hoffnung in Jesus zu finden (Römer 5,3-5)
  • Buße zu tun (1. Korinther 11,29-32)
  • fähig zu werden, andere zu trösten (2. Korinther 1,3-4)
  • den Blick auf das zu richten, was einmal sein wird (2. Korinther 4,7-17)
  • uns im Glauben und in der Liebe zu bewähren (Matthäus 25,34ff)
  • ...

Wir merken: Einfache Antworten gibt Gott uns nicht im Hinblick auf diese Themen. Aber er gibt sich selbst in unser Leben hinein und darum auch in diese Themen. Wir dürfen ihn auch da erleben und erfahren, hören und verstehen, wo uns diese Dinge persönlich treffen oder Menschen in unserem Umfeld wie der Familie, Gemeinde, Nachbarschaft, Bekanntenkreis.

3. Leid, Krankheit und Tod – ist Auftrag und Herausforderung für uns Christen!

Auch hier gibt Gott uns nicht nur ein „Rezept“, wie wir persönlich und mit anderen umgehen sollen, die Leid, Krankheit oder Tod getroffen hat. Im Gegenteil: Auf der einen Seite sollen wir mit seinem machtvollen Eingreifen rechnen, das aller Not ein Ende bereitet, und sein Heil verkünden. Auf der anderen Seite sollen wir Betroffenen beistehen, sie begleiten, tragen, ermutigen und stärken.

In Anbetracht von der Erfahrung von Leid, Krankheit und Tod sollen wir:

- füreinander beten und die Herrschaft Gottes ausrufen (Matthäus 10,7ff)

7 Geht und verkündet: ›Das Himmelreich ist nahe.‹

8 Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus. Was ihr umsonst bekommen habt, das gebt umsonst weiter. ...

12 Wenn ihr das Haus betretet, grüßt die Bewohner und wünscht ihnen Frieden.“

- mit Gottes Wundern rechnen (Jakobus 5,13ff)

13 Macht jemand von euch Schweres durch? Dann bete er! Erlebt jemand eine Zeit der Ermutigung? Dann singe er Loblieder!

14 Ist jemand von euch krank? Dann bitte er die Ältesten der Gemeinde zu sich, damit sie für ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben.

15 Ihr Gebet, im Glauben gesprochen, wird dem Kranken Rettung bringen; der Herr wird ihn seine Hilfe erfahren lassen. Und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm

vergeben werden.

16 Darum bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet. Das Gebet eines Menschen, der sich nach Gottes Willen richtet, ist wirkungsvoll und bringt viel zustande.

- und miteinander leiden, trauern und kämpfen (Römer 12,12ff)

12 Freut euch über die Hoffnung, die ihr habt. Wenn Nöte kommen, haltet durch. Lasst euch durch nichts vom Gebet abbringen.

13 Helft Gläubigen, die sich in einer Notlage befinden; lasst sie mit ihrer Not nicht allein. Macht es euch zur Aufgabe, gastfreundlich zu sein.

14 Segnet die, die euch verfolgen; segnet sie, verflucht sie nicht.

15 Freut euch mit denen, die sich freuen; weint mit denen, die weinen.

16 Lasst euch im Umgang miteinander davon bestimmen, dass ihr ein gemeinsames Ziel habt. Seid nicht überheblich, sondern sucht die Gemeinschaft mit denen, die unscheinbar und unbedeutend sind. Haltet euch nicht selbst für klug.

17 Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Bemüht euch um ein vorbildliches Verhalten gegenüber jedermann.

- gemeinsam Schweres (er-)tragen (Galater 6,2)

2 Helft einander, eure Lasten zu tragen! Auf diese Weise werdet ihr das Gesetz erfüllen, das Christus uns gegeben hat.

- einander lieben (Johannes 13,34ff)

34 Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander! Ihr sollt einander lieben, wie ich euch geliebt habe.

35 An eurer Liebe zueinander werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid.

- einander ermutigen (2. Korinther 3,3+6)

3 Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! Denn er ist ein Vater, der sich erbarmt, und ein Gott, der auf jede erdenkliche Weise tröstet und ermutigt. ...

6 Wenn wir also Nöte durchmachen, geschieht das, damit ihr die mutmachende und rettende Kraft Gottes erlebt. Und wenn wir getröstet und ermutigt werden, bedeutet

das auch für euch Trost und Ermutigung; es hilft euch, standhaft die gleichen Leiden zu ertragen wie wir.

- und stärken (Apostelgeschichte 14,21f)

21 Sie reisten wieder über Lystra, Ikonion und Antiochia,

22 und in allen drei Städten stärkten sie die Jünger in ihrem Vertrauen auf Jesus und ermutigten sie dazu, unbeirrt am Glauben festzuhalten. »Nach Gottes Plan«, so sagten sie zu ihnen, »müssen wir viel Schweres durchmachen, ehe wir in sein Reich kommen.«

Leid, Krankheit und Tod fordern nicht nur den heraus, den es persönlich trifft, sondern auch die, die daneben stehen, davon hören, es mit und zu spüren bekommen. Lassen wir uns doch herausfordern und von Gott leiten, darauf zu reagieren und damit wie oben beschreiben umzugehen.

Andreas Hardt